Zeestow – ein Dorf mit Vergangenheit setzt auf Zukunft

 

Die Nennungsurkunde. Das Dorf fand als "Zcesto"1346 erstmals schriftliche Erwähnung.

In diesem Jahr – 1996 – ist es genau 650 Jahre her, seit Zeestow als Ansiedlung wendischen Ursprungs 1346 als „Zcesto“ (vergl. Urkunde) erstmals schriftliche Erwähnung fand. Dieses stolze Jubiläum ist für die 269 Einwohner Anlass zum Rückblick und zur Vorausschau auf eine sich bereits abzeichnende „Frohe Zukunft“. Unter diesem hoffnungsvollen Namen hatte die damalige LPG den Bürgern von Zeestow 40 Jahre Lohn und Brot gegeben, bis ihnen 1989 die Wende eine zunächst schmerzhafte Zäsur brachte. Bei dem neuen Anlauf unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen soll es nun mit abermals „froher Zukunft“ im Blick für die unverzagten Zeestower endlich den gewünschten Aufschwung geben. Interessenten, die die Vorzüge des nur 15 Kilometer vom Berliner Randbezirk Spandau entfernten Gemeindegebietes von Zeestow, gelegen im Übergangsbereich zwischen eiszeitlich entstandener Hochfläche der Nauener Platte und der Niederung des Berliner Urstromtals, nutzen wollen, haben schon konkrete Vorhaben angepackt.

Zeestower Feldmark barg Schätze

Steinbeile und Hämmer, Speerspitzen und Tonscherben, Halsschmuck aus Bronze und Spinnwirteln sind Schätze, die in der Zeestower Feldmark gefunden wurden. Diese prähistorischen Funde der sogenannten Hallstätter Zeit bezeugen, dass es schon 600 bis 400 vor Christi slawische Ansiedelungen in dieser Gegend gegeben haben muss. Wendischen Ursprungs ist vermutlich ein Burgwall in den Wiesen und der Name des Dorfes, welchen Historiker vom slawischen  Wort cesta – Straße – ableiten, da über Zeestow eine uralte Straße geführt habe.

Nach dem Landbuch von 1375 hatte dieses Dorf seinerzeit 29 ½ Hufen – ein altes Flächenmaß -, von welchen der Pfarrer eine besaß. Sechs Hufen gehörten einem gewissen Koppe Bart und zwei Hufen Hertke von Hoppenrade zu ihren Höfen, von welchen sie zu Vasallendiensten verpflichtet waren. Die übrigen 19 ½ Hufen befanden sich im Besitze einer nicht angegebenen Zahl von Bauern, welche gewisse Getreide- und Geldabgaben davon entrichten mussten. Auch die beiden Kossäten – im Feudalismus zur Dorfarmut zählende Gesellschaftsschicht – waren zur Entrichtung von Geld und Hühnern verpflichtet.

„Erhebungsberechtigt waren damals Otto und Koppe Bart, ein Altar in Brandenburg, Wulfart, Bürger in Brandenburg, und die Bürger Zcestow und Molner in Nauen. Das Obergericht und Patronatsrecht besaß Benfelder,“ wird in einem alten Nachschlagewerk vermerkt.

4478 Thaler für Zeestower Rittersitz

 Nach den Aufzeichnungen im Schlossregister von 1450 befand sich Zeestow im Besitz der Familie Broske (Brösigke) und zwar in zwei Anteilen.. Einer gehörte Kune Broske mit 6,5 Hufen und der andere Tile Broske mit 6 Hufen. Der Kune Broskesche Anteil fiel 150 Jahre später dem Kurfürsten heim, welcher auf Grund einer dem Hauptmann Hasse von Bredow zu Friesack (1437) erteilten Zusicherung dessen Erben damit belieh. In dem Kirchenvisitationsprotokoll von 1531 werden sie als Patronatsherren genannt.. Nach diesen Aufzeichnungen hatten die von Bredow zu Friesack das Patronat, die Pfarre hatte ein „Filial“, Wernitz; der Pfarrer hatte ein Wohnhaus nebst Garten, ein Hufe Land, eine Wiese, den Korn- und Fleischzehnt.

„Den ursprünglich von Tile Broske oder Brösigke herstammenden Anteil, welcher nach einem Lehnbriefe von 1610 in dem Rittersitze von 8 Hufen, 4 Höfen mit 10 Hufen, 5 Kossäten, der Einnahme an Hafer für den Damm und in einer Horst zwischen der Lindhorst und dem deutschen Luche bestand, erwarb 1669 Henning Rudolf von der Gröben, aus dessen Kreditmasse ihn 1679 das Domstift in Köln a.d. Spree für 4478 Thaler erstand.“ So steht es in alten Aufzeichnungen nachzulesen. 

Vor 150 Jahren wütete Feuersbrunst

Im Jahre 1840 verzeichneten das Dorf Zeestow und zwei Rittergüter nebst 23 Wohnhäusern, insgesamt 268 Einwohner. Mit einer verheerenden Feuersbrunst wurde ein großer Teil der Gemeinde sieben Jahre später ein Raub der Flammen. Der Brand brach eines Nachmittags im Sommer 1847 aus, als bereits die gesamte Ernte eingebracht war. Zwei Tage lang loderten die Flammen aus Rohrdächern und Dunghaufen an den Tagelöhnerhäusern, auf Gütern und Gehöften. Auch das Jägerhaus, die Schule und die Kirche mit der Pfarrei waren nicht mehr zu retten.. Ein Jahr später waren viele Gebäude neu errichtet. Bescheidene Mittel standen für den Neubau der Kirche zur Verfügung, die 1850 den Gläubigen die Pforten öffnete. Altbesitzer Boeckmann hatte sich um den Transport der Ziegel gekümmert, die auf dem Wasserwege bis Nauen gebracht wurden. Stolz des Baus war ein Altarbild, das Petri wunderbare Errettung darstellte. Als großzügiger Spender erwies sich Oberamtmann F. Seefeld, der 1882 den großen Kronleuchter und zwei Jahre später die Turmuhr finanzierte.


Die Königliche Preußische Feuerordnung in den Städten, anno 1719, sollte den freiwilligen Feuerwehren als Muster dienen. 
Die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Zeestow bei der Übung 

So sind keine Details aus der Zeit des 30jährigen Krieges oder der Napoleonischen Herrschaft überliefert. Wegen dieses gewaltigen Einschnittes in die Entwicklung des Dorfes sind die ältesten baulichen Zeugnisse aus der Vergangenheit nicht älter als annähernd 150 Jahre alt. Heute gehört schon viel Fantasie dazu, sich das frühere Leben in diesem Dorf vorzustellen. Die einstmals stolze Windmühle, um 1742 von dem Wustermarker Müller Schüler errichtet und einige Male den Besitzer wechselnd, ist längst nicht mehr vorhanden. „Die Lemkesche Windmühle bei Zeestow wurde in der Nacht vom Sonntag zum Montag durch einen Wirbelsturm umgeworfen und total demoliert. Ein in der Mühle schlafender Geselle wurde nicht unerheblich verletzt.“ So berichtet das Osthavelländische Kreisblatt Nr. 165 am Donnerstag, dem 16. Juli 1908.

Zu den heute noch vorhandenen Baudenkmalen gehört die rechteckige verputzte Kirche aus dem Ende des 18. Jahrhunderts mit dreiteiliger Altarnische und Turm im Westen. Im Jubiläumsjahr ist sie jedoch nicht nutzbar, da vom Dach bis in das Mauerwerk umfangreiche Bauschäden zu sanieren sind. 

Brief von 1696 an den  "Allerdurchläuchtigsten Großmächtigsten König" wegen Problemen mit dem Fleischzehnten.

 

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