Unübersehbar: Der Speicher und die Brennerei
Wer heute nach Zeestow kommt, dem fällt am südlichen Ortseingang der dominierende massive Speicher mit dem benachbarten ebenso im traditionellen Fachwerkstil errichteten zweigeschossigen Wirtschaftsgebäude ins Auge. Zu den Blickpunkten gehört die wie der Speicher in den 20er Jahren errichtete Brennerei. Beide Gebäude sollen als denkmalwürdig erhalten bleiben und harren einer Sanierung und neuen Nutzung. Die ursprünglich typische Bauweise in Zeestow war Ziegelmauerwerk, Fachwerk und Dächer mit Ziegeldeckung. Die in der Nachkriegszeit entstandenen Neubauernhäuser, ursprünglich aus Fachwerk errichtet, sind in den meisten Fällen überputzt. Die wenigen noch vorhandenen „Originale“ sind nach heutigen Plänen als Zeugnisse der damaligen Zeit im äußeren Erscheinungsbild möglichst nicht zu verändern. Zu den ortsbildprägenden Gebäuden gehören in der Dorfmitte neben der Kirche das ehemalige Pfarrhaus sowie das in den vergangenen Jahrzehnten als Gaststätte und Kulturhaus der Gemeinde genutzte frühere Gutshaus.
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Die 1920 erbaute Brennerei |
Strenge königliche Verordnung über Einrichtung von Backöfen
Die kleinsten Bauwerke im Dorf waren vor Jahrhunderten die Backöfen, die zumeist in den Dorfstraßen standen und nicht selten durch ungünstigen Wind Auslöser von Feuer waren. Um diesen Schäden entgegenzuwirken, wurde 1794 eine „Verordnung wegen besserer Einrichtung der Backöfen in den Dörfern der Churmark“ erlassen. Friedrich Wilhelm, König von Preußen, tat in einem Befehl kund, dass die Öfen „in einer Entfernung von fünfzig Schritten von dem nächsten Gebäude zu stehen kommen, dabey mit einer Windkehre, einer Thüre von Eisen-Blech, und einer hölzernen Thüre vor dessen Oeffnung zu versehen, keineswegs aber mit Stroh, Rohr, einem hölzernen Schauer, oder einem Bretterdach bedeckt werden. Auch sind um dieselben, um eine etwa ausbrechende Flamme desto eher zurück zu halten, Bäume zu setzen.“ Weiter heißt es in den detaillierten Festlegungen, dass „in den Dorfstraßen weiter keine Backöfen gelitten werden“. Diejenigen vorhandenen Backöfen, die Gebäude zu nahe standen, sollten innerhalb eines Jahres entfernt werden, die von den Dorfstraßen im Verlaufe von drei Jahren. Strenge Aufsicht und Strafen bei Zuwiderhandlungen wurden angedroht, die von „fiskalischer Strafe von zehen Thalern“ bis zum Einreißen des Backofens reichten.
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Zur Eindämmung der Feuergefahren
wurde 1794 die "Verordnung wegen besserer Einrichtung der Backöfen
in den Dörfern der Churmark " erlassen
Zeichnung eines neu zu bauenden Backofens zu Zeestow |
Die Feuerwehr hatte genug zu
tun
Nicht unbegründet waren die
Vorsichtsmaßnahmen. Die im 17. und 18. Jahrhundert übliche Bauweise,
insbesondere Fachwerkhäuser mit Stroh- und Schindeldächern, und ungenügende
Feuerstätten mit Holzschornsteinen begünstigten den Ausbruch und die schnelle
Verbreitung von Bränden. Die „Königliche Preußische Feuer-Ordnung in den Städten“
von 1719 sollte seinerzeit auch in den Dörfern den Freiwilligen Dörfern als
Muster dienen. Zu den damals festgelegten Maßnahmen zur Brandverhütung und –bekämpfung
gehörten u.a. das Verbot von Stroh- und Schindeldächern in den Städten, die
Verlegung von Scheunen vor die Städte, die Errichtung ordentlich gemauerter
Feuerstellen, Schornsteine und Brandmauern, spezielle Festlegungen für
Handwerker, vorsichtiger Umgang mit offenem Feuer, regelmäßige
Brandschutzbegehungen, die Bereitstellung von Löschgerät oder auch
Festlegungen über das Verhalten bei Ausbruch eines Feuers. So heißt es im
Paragraph 28 dieser Verordnung: „Ein jeder Einwohner soll einen ledernen Eymer/
und eine Handsprühe/ wie auch ein oder mehr Fässer mit Wasser angefüllet/
beständig auf dem Boden im Hause haben/ so die Visatores bey jedesmahliger
Besichtigung der Feuerstellen sich zeigen/ und wann selbige nicht bey allen
Wirthen vorhanden/ sie zu deren Anschaffung bey Straffe anhalten lassen
sollen.“ Erklärt ist auch wie der Nachtwächter per Trommelschlag und Läuten
der Feuerglocke den Bürgern die Gefahr zu signalisieren hatte.
Königliche Genehmigung für Bau von Feuerleitern
In einem Schreiben vom 14. Januar 1778 antwortet das Forst-Departement der General-Directorii auf ein Anliegen des Königlichen Dohm-Kirchen Directoriums, „dass Dato an die Churmärkische Krieges und Domänen Cammer Verordnung ergangen ist, die zum Bau eines Feuer-Leitern-Hauses und Anfertigung von 8 Feuer Leitern in dem Dorfe Zeestow, nötigen Holz-Materialien aus dem Falkenhagenschen Forst, lang verabfolgen zu lassen.“ Un- terschrieben war die Genehmigung vom Forst-Departement der Königlichen, Preußischen General Direktion, Luderitz.
Nach der Landgemeindeordnung
vom 3. Juli 1891 hatte sich die Landgemeinde Zeestow und die
Gutsbezirke I und II zwecks gemeinsamer Wahrnehmung kommunaler Angelegenheiten
zu einem Zweckverband zusammengeschlossen, wodurch Zeestow einen Feuerlöschverband
gründen konnte. Festgelegt wurde in den Statuten u.a., wie die Pflichtfeuerwehr
mit heranzuziehenden Hilfsmannschaften zu agieren und die Gemeinde- und
Gutsbezirke Vorspann zu leisten hätten zur Spritze, zum Wasserwagen und zu
allen übrigen fahrbaren Löschgerätschaften. Als sich dann nach neuer Struktur
1934 die Amtsfeuerwehr Bredow im Amtsbezirk gründete, stellte Zeestow den Löschzug
V. Im Vordergrund fungierte ein Herr Schulze aus Zeestow als Beisitzer.
Zeestower Feuerwehr pflegt Tradition
Auch in den letzten Jahrzehnten ist die verantwortungsvolle Aufgabe der Freiwilligen Feuerwehr aus dem Gemeindeleben Zeestows nicht wegzudenken. Die stets einsatzbereiten Männer errangen einst den Titel des DDR-Meisters und nach der Wende 1995 sogar den Titel des Landesmeisters. Jedes Jahr eine Freude und Höhepunkt für jung und alt, wenn die Feuerwehr traditionell zu den Mai-Feierlichkeiten den Fackelzug durch das Dorf organisiert.
Nach einer Fotografie aus dem Jahre 1896 kann nachgewiesen werden, dass die Feuerwehr in der organisierten Form in Zeestow 100 Jahre besteht.
Verantwortungsvoller Posten: Nachtwächter
Einer, der sicher viel über die Geschichte des Dorfes zu erzählen gehabt hätte, war der 1854 geborene Gutsarbeiter Wilhelm Engel. Seit 1925 – zu diesem Zeitpunkt war er bereits 71 Jahre alt – übte er das verantwortungsvolle Amt als Kirchendiener und Nachtwächter für die Gemeinde Zeestow und die Güter Zeestow I und II aus. Doch nicht für eifrige Pflichterfüllung kam er in die Zeitung. 1940 berichtete die „Havelländische Rundschau“ über seine Goldene Hochzeit mit Ehefrau Marie, geb. Wolf. Sie stammte aus Dyrotz, er aus Wustermark. Ihr Grab sucht man auf dem kleinen Kirchhof in der Dorfmitte vergeblich. Nur wenige Grabstellen künden noch von der Vergangenheit. Zu finden ist noch die letzte Ruhestätte des Mühlenmeisters Theodor Lemke, der am 22. November 1910 nur 55jährig zu Grabe getragen wurde. Auch Rittergutsbesitzer Dr. hc. Alwin Schurig – 1.5.1873 – 31.8.1940 wurde hier zur letzten Ruhe gebettet.
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